Pro­fit, ein­sei­tige Ver­tei­lung von Res­sour­cen und Gü­tern, Ei­gen­ver­ant­wor­tung, In­di­vi­duum ge­gen­über be­dürf­nis­na­her Ver­sor­gung, Gleich­ver­tei­lung der Res­sour­cen und Gü­ter, Ge­samt­ver­ant­wor­tung, Kol­lek­tiv. Ka­pi­ta­lis­mus und Kom­mu­nis­mus, zwei Theo­rien, die sich nicht voll­stän­dig rea­li­sie­ren, den­noch sehr spür­bar aus­wir­ken. Wäh­rend das, was ers­tere be­schreibt, in den USA seit Ge­ne­ra­tio­nen ge­lebt wird, so­weit es sich ir­gend le­ben lässt, be­haup­tet sich das, wo letz­tere hin­zeigt, auf ab­ge­bro­che­nem Wege noch in Kuba.
Wir Eu­ro­päer, ka­pi­ta­lis­tisch und so­zia­lis­tisch, ver­ei­nen bei­des in un­se­ren Ge­sell­schaf­ten, ho­len den Pa­ra­dies ver­spre­chen­den Kom­mu­nis­mus auf den Bo­den ka­pi­ta­ler Ma­te­rie. Ideo­lo­gen der ei­nen und der an­de­ren Seite wer­den lei­ser; denn man kann nicht ver­leug­nen, dass bspw. in Deutsch­land aus­beu­te­ri­schen Aus­wüch­sen des Ka­pi­ta­lis­mus Gren­zen ge­setzt wer­den, durch die­je­ni­gen so­zia­lis­ti­schen Ideen, die bo­den­stän­dig. »So­ziale Markt­wirt­schaft!« be­haup­ten die Neo­li­be­ra­len. Je­doch, was ist an der Markt­wirt­schaft so­zial? die nur Wirt­schaft, also nicht Ge­samt­ge­sell­schaft be­deu­tet. Un­ser So­zi­al­sys­tem ist markt­be­stimmt, an­ders ge­sagt: wi­der­wil­lig. Zwar sind wir fle­xi­bler markt- als plan­wirt­schaft­lich ver­sorgt, aber was nützt uns die freie Markt­wirt­schaft dar­über hin­aus? Do­mi­nant zwingt sie uns »in Frei­heit« Ma­te­ri­el­les im Über­maß auf, wäh­rend die Ge­mein­schaft, der ge­samt­ge­sell­schaft­li­che Ver­bund, ver­nach­läs­sigt nach kom­mu­nis­ti­schen Idea­len sich sehnt, die, durch Un­ver­mö­gen in der Ver­gan­gen­heit, noch im­mer un­an­ge­nehm schei­nen.
Seit dem 20. Jahr­hun­dert ha­ben sich die Be­griffe Ka­pi­ta­lis­mus und Kom­mu­nis­mus ab­ge­nutzt, in ei­ner fort­ent­wi­ckeln­den Rea­li­tät an Be­deu­tung, wenn auch nicht völ­lig, ver­lo­ren. Die freie Welt von heute bin­det dem­ge­gen­über ein Li­be­ra­lis­mus, der ge­wach­sen ist, ideo­lo­gie­arm Zu­kunft er­ah­nen lässt. Kampf­be­griff Neo­li­be­ra­lis­mus hat aus­ge­dient. So­wohl wirtschafts- als auch so­zi­al­li­be­ral zeigt sich das zeit­ge­rechte Paar glo­bal­ge­sell­schaft­li­cher Ent­wick­lung, ringt um Ver­ein­bar­keit. Es fragt uns – klein­tei­li­ger, gleich­wohl to­le­ran­ter als das vor­her­ge­hende –, wie wir zusammenleben.

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7 Kommentare
  1. max meer sagt:

    So­zia­ler Li­be­ra­lis­mus? Eine Lö­wen­schaf? Nur weil der ›Kampf­be­griff‹ Neo­li­be­ra­lis­mus, ob sei­nes dur­schla­gen­den Er­fol­ges, nicht in den Mund ge­nom­men wird, ist er doch nicht vor­über oder kennst Du ei­nen west­li­chen Po­li­ti­ker der sich da­von ab­ge­wandt hat? So­ziale Markt­wirt­schaft hat es ge­rade so­lange ge­ge­ben, wir es das souia­lis­ti­sche La­ger gab, diese Be­dro­hung der Aus­beu­tung ist Ge­schichte und mit ihr die Il­lu­sion ei­nes mensch­li­chen Ka­pi­ta­lis­mus. Aber diese Ein­sicht wird schon noch eintreten.

  2. Veit Pakulla sagt:

    Ich für mei­nen Teil möchte nicht in Feind­bil­dern aus der Ver­gan­gen­heit den­ken, ob­zwar sie noch ziem­lich prä­sent sind. Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus, durch seine Fle­xi­bi­li­tät und Viel­falt in un­se­rer Ver­sor­gung, Öff­nung der Län­der­gren­zen für Handels- und Rei­se­mög­lich­kei­ten, bringt uns ein Stück weit Frei­heit. Doch es fehlt et­was. Wir ver­mis­sen eine zu­sätz­li­che Frei­heit, ei­nen wei­te­ren Li­be­ra­lis­mus also, den des So­zia­len, der ge­rade an­fängt sich zu ent­wi­ckeln.
    Er fußt auf so­zia­lis­ti­schen Ideen, weil er den Men­schen Frei­raum er­mög­licht, mehr das Ganze, die Ge­samt­ge­sell­schaft wahr­zu­neh­men und sich als Teil von ihr zu ver­hal­ten. Eine Kom­plett­ga­ran­tie da­hin­ge­hend gibt es na­tür­lich nicht. An­ders im Kom­mu­nis­mus, ein an­geb­li­ches Pa­ra­dies, das sich ins Ge­gen­teil ver­wirk­lichte. Hin­ge­gen will der So­zi­al­li­be­ra­lis­mus den Ein­zel­nen und des­sen so­ziale Sphäre ge­gen­über dem be­währ­ten, freien Markt­ge­sche­hen be­freien. Was der Ein­zelne dar­aus macht, die Ein­zel­nen ge­mein­sam dar­aus ma­chen, sind die span­nen­den Fra­gen.
    Ich baue auf un­ge­zwun­gene Men­schen, die sich, an­dere und die Welt tie­fer ver­ste­hen. Das ist mein Ideal, wel­ches ich mit man­chen teile.

  3. Thomas Leske sagt:

    »… aus­beu­te­ri­schen Aus­wüch­sen des Kapitalismus …«

    Im Ka­pi­ta­lis­mus gibt es keine Aus­beu­tung, son­dern Ver­träge und Ar­beits­tei­lung zum ge­gen­sei­ti­gen Vor­teil, ganz im Ge­gen­satz zu staat­li­chen Zwangsmaßnahmen.

    Neo­li­be­ra­lis­mus ist schon ein so­zia­lis­tisch ver­wäs­ser­ter Li­be­ra­lis­mus. Um zu ver­ste­hen, was (klas­si­scher) Li­be­ra­lis­mus über­haupt ist, em­fehle ich Lud­wig von Mi­ses Werk aus dem Jahr 1927: http://docs.mises.de/Mises/Mises_Liberalismus.pdf

    »Das Pro­gramm des Li­be­ra­lis­mus hätte also, in ein ein­zi­ges Wort zu­sam­men­ge­faßt, zu lau­ten: Ei­gen­tum, […]. Alle an­de­ren For­de­run­gen des Li­be­ra­lis­mus er­ge­ben sich aus die­ser Grundforderung.«

    Es gibt wenn man so will gar kei­nen an­de­ren Li­be­ra­lis­mus als »Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus«. Für die Su­che nach dem Sinn des Le­bens und an­dere ho­hen Dinge sind nicht der Staat oder die Ge­sell­schaft zu­stän­dig, son­dern je­der Einzelne.

  4. Veit Pakulla sagt:

    Ei­gen­tum ist kein Na­tur­ge­setz. Es ver­leiht man­chem Men­schen, ma­xi­mal ein Le­ben lang, Si­cher­heit, die er schon zu Leb­zei­ten ein­büßt, wenn es von­sei­ten Ar­mer zu Un­ru­hen bzw. er­höh­ter Kri­mi­na­li­tät kommt. Un­ser deut­sches So­zi­al­sys­tem ver­hin­dert Un­ru­hen, re­du­ziert Kri­mi­na­li­tät, de­mü­tigt aber Ge­ring­ver­die­ner, pre­käre Selb­stän­dige, Un­ter­be­schäf­tigte und Er­werbs­lose, in­dem es sie als Hil­fe­be­dürf­tige ab­stem­pelt, wäh­rend Ban­ken, Un­ter­neh­men, ganze ka­pi­ta­lis­ti­sche Sys­teme hil­fe­be­dürf­tig wer­den, vom Staat ver­si­chert bzw. ge­stützt wer­den müs­sen. Da­von ab­ge­se­hen ist und bleibt der Staat der größte Arbeit- so­wie Auf­trag­ge­ber. Er ist wirt­schafts­re­le­vant wie die Wirt­schaft selbst.
    Es geht nicht um hohe Dinge, son­dern um platte Ma­te­rie, die ein Über­maß an Wirt­schafts­li­be­ra­lis­mus mit sich bringt! Fol­ge­rich­tig stellt sich ihm ein So­zi­al­li­be­ra­lis­mus ent­ge­gen, mä­ßigt die freien Märkte, auf dass die mensch­li­che Ge­sell­schaft hu­ma­ner, um­welt­be­wuss­ter etc. werde. Zu­min­dest be­stände die Mög­lich­keit dazu. »So­zi­al­ro­man­ti­ker! Uto­pist!« schimpft mich ein Neo­li­be­ra­ler hin­ter sei­ner so­zia­len Markt­wirt­schaft, sein Neo- end­gül­tig ver­al­tet, da der neu­ar­tige Li­be­ra­lis­mus nur der des So­zia­len sein kann, den er nicht kennt, wir kaum ken­nen.
    In Bü­chern finde ich so­ziale Frei­heit bis­her we­nig ge­lebt. Im Un­ter­schied zum ge­wohn­ten Li­be­ra­lis­mus, ein Frei­heits­be­griff, der neu­tral sein müsste, doch den die freien Märkte ein­neh­men, die Frage, ob man sie mehr oder we­ni­ger re­gu­lie­ren solle. Als setz­ten sich Wirt­schaft und Staat nicht glei­cher­ma­ßen aus Men­schen zu­sam­men. Beide sind an­geb­lich die Bösen.

  5. Thomas Leske sagt:

    Li­be­rale wol­len das Ei­gen­tum nicht we­gend der Rei­chen schüt­zen, son­dern weil ge­schütz­tes Ei­gen­tum letzt­lich Wohl­stand für alle be­deu­tet. Das Ei­gen­tums­recht er­laubt fried­li­che Ar­beits­tei­lung, und der mit­tel­lose Ar­bei­ter kann dank der teu­ren Ma­schi­nen sei­nes Chefs sehr viel pro­du­zie­ren. Durch Steh­len und Bet­teln (die bei­den an­de­ren Ar­ten zu über­le­ben) wird da­ge­gen Wohl­stand zerstört.

    Wir le­ben nicht im Ka­pi­ta­lis­mus, son­dern ha­ben ge­rade noch ei­nen klei­nen Rest­ka­pi­ta­lis­mus. Der Staat schafft kei­nen Wohl­stand son­dern nimmt sei­nen Bür­gern zwangs­weise Geld ab, und wird so zum größs­ten Auf­trag­ge­ber und Ar­beit­ge­ber. Da­mit be­raubt er die Ver­brau­cher, die in ei­ner Markt­wirt­schaft Kö­nig sind. Un­ter­neh­men von Staats we­gen zu stüt­zen ist of­fen­sicht­lich kein Ka­pi­ta­lis­mus, weil so Mit­tel um­ge­lei­tet wer­den, für die die Ver­brau­cher an­derswo eine bes­sere Ver­wen­dung sehen.

    Ro­land Baa­der bringt Mi­ses Ansicht so auf den Punkt: »Der ei­gent­li­che „Chef“ ist der Ver­brau­cher, der Un­ter­neh­mer ist nur „Be­fehl­emp­fän­ger“.»
    Siehe: http://www.misesinfo.org/?p=2658

  6. Veit Pakulla sagt:

    Ich sehe ein Vertrauens- so­wie Tausch­ver­hält­nis zwi­schen Kunde und Un­ter­neh­men, Mit­ar­bei­ter und Un­ter­neh­mer. Da­ge­gen ma­chen die drei ein­an­der sich manch­mal was vor.

  7. Felix sagt:

    Auf mei­ner Web­site sozialliberal.org habe ich ver­sucht zu er­klä­ren, wie so­ziale, nach­hal­tige Po­li­tik und die Markt­wirt­schaft eine sehr vor­teil­hafte Sym­biose bil­den kön­nen. Es zeigt sich, dass es für die Pro­duk­ti­vi­täts­ma­xi­mie­rung ei­ner Ge­sell­schaft kei­nes­wegs aus­reicht nur das Ei­gen­tum zu schüt­zen. Der an­ge­spro­chene frühe Li­be­ra­lis­mus be­sticht zwar durch sim­ple Ar­gu­mente, er über­sieht je­doch kom­plexe Pro­bleme.
    »Gute Bil­dungs­ein­rich­tun­gen, eine funk­ti­ons­tüch­tige In­fra­struk­tur, ein kla­rer Ver­brau­cher­schutz, mo­derne So­zi­al­ver­si­che­rungs­sys­teme sind auf der ei­nen Seite so­zial. Auf der an­de­ren Seite sind sie die Grund­lage für eine pro­duk­tive Wirt­schaft. So­ziale Ziele und Wohl­stand sol­len da­her nicht ge­gen, son­dern ge­rade mit ei­ner ka­pi­ta­lis­ti­schen Wirt­schafts­ord­nung er­reicht werden.«

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